Fasten – ein Überblick: Wie wir lernen, unseren Körper neu zu starten
Im Überfluss gefangen – Warum unser Körper eine Pause benötigt
In modernen Industrienationen erleben wir einen Zustand des permanenten Überflusses. Im Gegensatz zu den Bedingungen, für die unser Körper evolutionär geschaffen wurde – das „Laufen und Suchen nach Nahrung“ – ist die Verfügbarkeit von Lebensmitteln heute ständig gegeben. Dieses permanente Nahrungsangebot führt zu einer Zunahme der Fettleibigkeit.
Inhaltsverzeichnis
ToggleExperten argumentieren zunehmend, dass es sinnvoll ist, dem Körper bewusst eine Auszeit zu gönnen. Die Belastung des Organismus resultiert nicht nur aus der Menge der Nahrung, sondern auch aus deren Qualität: Malträtierte Böden und Massentierhaltung führen dazu, dass Nährstoffe in Lebensmitteln nicht mehr ausreichend verfügbar sind. Hinzu kommt der Einsatz von Antibiotika und chemischen Zusätzen in der Aufzucht. Unser Immunsystem ist ständig damit beschäftigt, Stoffe zu bekämpfen, die ihm vor Jahrmillionen noch unbekannt waren. Die entgiftende Leber ist dadurch dauerhaft überlastet.
Für manche Menschen, die sich bewusster mit ihrem Körper auseinandersetzen möchten, wird die Beschäftigung mit dem Thema Fasten schnell zu einem spannenden Prozess. Der Selbstversuch des Fastens wird dabei metaphorisch oft mit einer wichtigen Wartungsarbeit verglichen, ähnlich wie ein Ölwechsel beim Auto: Der alte Mist kommt raus, und anschließend wird frisches, hochwertiges Öl nachgefüllt. Aber Fasten ist nicht gleich Fasten. Die Quellen stellen verschiedene Ansätze vor, die sich in ihrer Intensität und ihren Zielen unterscheiden. Ein Überblick:
1. Das Basenfasten: Die milde Reinigung
Das Basenfasten wird als eine mildere Form des Fastens beschrieben. Es hat das Ziel, einen gründlichen Reinigungs- und Entschlackungseffekt zu erzielen. Beim Basenfasten werden über einen Zeitraum von etwa einer Woche ausschließlich rein basische Lebensmittel konsumiert. Zu diesen basischen Mahlzeiten gehören unter anderem Gemüse, Kräuter, Salate, Kartoffeln und Obst. Grundsätzlich ist Basenfasten für jeden Erwachsenen als reine Gesundheitsprävention geeignet. Die meisten Anwender nutzen es als initialen Startschuss für eine langfristig bewusstere Ernährung. Die Motivationen sind vielfältig und umfassen die Reduktion von Genussgiften, das Einstellen von übermäßigem Essen und die Intensivierung von Bewegung.
Medizinische Vorteile des Basenfastens
Durch die Entschlackung und Umstellung werden Stoffwechselabbauprodukte, belastende Säuren oder toxische Substanzen gelöst. Dies führt zur Regeneration der Zellen. Chronisch kranke Menschen können stark von dieser Methode profitieren, sollten jedoch zuvor Rücksprache mit ihrem Arzt halten. Es ist ratsam, während der Fastenwoche ausreichend Bewegung zu gewährleisten und die Woche nicht in einer stressigen Zeit zu planen.
2. Das Heilfasten: Die intensive Kur
Das Heilfasten stellt eine deutlich intensivere Form des Fastens dar. Diese Methode wird nur mit Säften und Brühe oder vereinzelt nur mit Wasser durchgeführt. Das Heilfasten erfordert eine wesentlich höhere Willenskraft und setzt zudem einen funktionierenden Kreislauf voraus. Es sollte niemals auf eigene Faust, sondern nur in Begleitung eines erfahrenen Fastenleiters oder eines Fastenarztes durchgeführt werden.
3. Die Fasten-Mimicking Diät (FMD): Fasten neu gedacht für die Langlebigkeit
Eine moderne, wissenschaftlich fundierte Alternative zum klassischen Fasten ist die Fasten-Mimicking Diät (FMD), was übersetzt so viel wie „Fasten nachahmende Diät“ bedeutet. Die FMD ist eine pflanzenbasierte und klinisch getestete Methode. Sie wurde gemeinsam mit dem international renommierten Altersforscher Prof. Valter Longo entwickelt. Der Hauptvorteil der FMD liegt darin, dass sie die positiven Effekte des klassischen Fastens bietet, ohne die damit verbundenen Risiken einzugehen. Die FMD zielt darauf ab, altersbedingten Krankheiten vorzubeugen und sogar die biologische Uhr zurückzudrehen. Der Fokus liegt auf der langfristigen Verbesserung der Gesundheit und der Lebensspanne (Longevity).
Die Wissenschaft des Verzichts – was im Körper passiert
Unabhängig von der genauen Form des Fastens durchläuft der Körper eine Reihe tiefgreifender metabolischer und zellulärer Umstellungen, die den Kern des Fasteneffekts ausmachen.
- Die Vorbereitung (Detox-Phase)
Schon vor dem eigentlichen Start beginnt der Körper, sich auf die Umstellung einzustellen:
Es wird empfohlen, bereits zwei Tage vor Beginn des Fastens auf Kaffee, Alkohol und fettige Speisen zu verzichten. Dies kann auch bei Nicht-Kaffeesüchtigen von Vorteil sein, da es dem Körper einen Entgiftungsstart ermöglicht. - Der metabolische Switch (Tag 1 und 2)
Die ersten Tage sind von der Umstellung des Stoffwechsels geprägt, da der Körper merkt, dass keine Nahrung zugeführt wird. Zuerst beginnt der Körper mit dem Abbau seiner Reserven. Dabei steht zunächst das Glykogen – die Zucker- und Kohlenhydratreserve, die in Leber und Muskeln gespeichert ist – auf dem Plan. Dieser Abbau geschieht relativ schnell. Sobald der Glykogen-Speicher abgebaut ist, beginnt der Körper, sich ausschließlich von Fett zu ernähren. Parallel dazu nimmt sich der Körper auch nicht relevantes Eiweiß vor. Die Umstellung in dieser Phase ist oft turbulent und spürbar. - Autophagie und Zellrecycling (ab Tag 2)
Ein zentraler medizinischer Prozess, der während des Fastens einsetzt, ist die Autophagie, der Selbstreinigungsprozess der Zellen. Die Autophagie ist in vollem Gange, sobald der Körper in die Fettverbrennung übergeht. Defektive oder nicht mehr benötigte Zellbestandteile werden abgebaut und anschließend verwertet – es handelt sich um ein Recycling der Körperzellen. Dieser wichtige Vorgang sortiert fehlerhaft gefaltete Proteine und beschädigte Zellen aus. Die Autophagie erreicht ihr Maximum typischerweise um Tag 5 des Fastens. - Entgiftung und Energieproduktion (ab Tag 3)
Nach den ersten turbulenten Tagen stabilisiert sich der Körper im neuen Sparprogramm: Die anfängliche Entgiftung, die sich durch Symptome wie leichte Kopfschmerzen oder Frösteln äußern kann, ist medizinisch gesehen um Tag 3 abgeschlossen. Die Leber stellt nun sogenannte Ketone als „Ersatz-Brennstoff“ zur Verfügung. Der Körper drosselt die Gesamtenergie und senkt leicht die Betriebstemperatur, was dazu führen kann, dass man gelegentlich fröstelt. - Regeneration und Glückshormone (Tag 3 bis 5)
Ab der Mitte des Fastens stellen sich messbare positive psychische und physische Effekte ein: Um Tag 5 läuft der Körper wie ein Uhrwerk auf seinem Sparprogramm. Es findet eine klassische Zellverjüngung im Knochenmark statt, da neue Stammzellen produziert werden. Das Glückshormon Serotonin wird verstärkt produziert. Man sagt, dass ab diesem Zeitpunkt der eigentliche „Genuss des Fastens“ beginnt. Fett wird weiterhin abgebaut, gleichzeitig werden Glückshormone im Überfluss produziert. Zudem werden die Kreativität und die Sinne vermehrt angeregt.
Das komplexe Zusammenspiel von Stoffwechsel und Zellreinigung
Man könnte den Fastenprozess als das Starten eines Hausputzes betrachten, der von der normalen Putzroutine zur Generalüberholung übergeht. Zuerst verbraucht der Körper die leicht zugänglichen Vorräte in der Speisekammer (Glykogen). Sobald die Speisekammer leer ist, schaltet er auf das viel effizientere und tiefgreifendere Recyclingprogramm um (Autophagie). Während dieser Generalüberholung entsorgt der Körper nicht nur alten Müll, sondern repariert defekte Bauteile im Fundament des Hauses (Zellregeneration), wodurch das gesamte System anschließend effizienter und leistungsfähiger läuft.
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